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Starke Worte für FreiheitsliederEine Geschichte über Poesie und die Macht des Wortes in Kapstadt. „Worte sind mächtiger als Stahl“, so lehren uns die Weisen. Die Geschichte zeigt uns jedoch, dass zumeist das Schwert die Verlängerung der Politik ist und weise Worte das Nachsehen haben. Wir leben in einer Welt, in der Auseinandersetzungen mit Bomben geführt werden. Im oft von Gewalt geprägten Alltag der Kapstädter Townships erlebt die Macht des Wortes derzeit eine Renaissance. Unter Anleitung eines einheimischen Dichters wird Poesie in innovativer Weise genutzt, um an einem neuen Selbstbewustsein zu bauen. Jethros Dichtkunst befasst sich damit, Risse in seiner kulturellen Identität zu überbrücken. Mit heilsamen Worten versucht er die goldene Ära der Geschichtenerzähler und den Reichtum an Erzählungen des Khoisan-Volkes, der Ureinwohner Südafrikas, wiederzubeleben. Über Jahrhunderte wurden den Anhänger dieser Kultur das Wort verwehrt – mit Gewehren und Mauern. Die große Herausforderung der entwurzelten Gemeinden am Kap liegt darin, Ihre Geschichte in die eigenen Hände zu nehmen und das „Wort“ zurückzufordern. Besonders in den verarmten Gegenden Kapstadts haben die Worte „ich kann“ eine revolutionäre Bedeutung. Sie entfalten ungeahnte Kapazitäten, die lange klein gehalten wurden. Jethro ist ein Vorreiter dieser Bewegung. Seine Gedichte sind Weckrufe. Doch wie bringt er seine Botschaft an die Leute? In den späten 90ern gab es Monday Blues. Jeden Montag lud Poet und Journalist Sandile Dikeni zur offenen Bühne im Cafe Camissa. Der Abend war kostenlos, für jedermann und gut besucht. Auch Jethro war da, und er setzte seine Worte mit ähnlich eleganter Wucht ein, wie Mohamed Ali seine Fäuste. Der Mietvertrag lief aus und Cafe Camissa schloss die Türen. Heutzutage hört man einmal im Monat Gedichte in der Zula Sound Bar im Kapstädter Zentrum oder besucht montags ab 8 das „Touch of Madness“ in Observatory. Doch wer aus den Randgebieten Kapstadts kommt schon regelmäßig in die Stadtmitte um Gedichte zu hören oder vorzutragen? Auf diesem Defizit gründete Jethro seine Idee, Zuhörer zu sich nach Hause ins Township einzuladen. In Kalkfontein in der Nähe von Stellenbosch startete er eine Initiative, bei der Touristen und Einheimische zu Musik, Dichtung und gemeinsamem Abendessen zusammenkommen. Es entstand ein Raum für Poesie, der Jethro und anderen Einheimischen Dichtern die Möglichkeit gibt, Gedichte vor Publikum aus aller Welt vorzutragen. Dies erzeugt nicht nur Interesse für Poesie in der Nachbarschaft, sondern auch ein Einkommen für Jethro und seine Familie. Weitere Früchte der Initiative sind ein Cateringservice und ein Gasthaus, kleine Unternehmungen, die durch Jethro’s Aktivismus angeregt wurden. „Poesie für ein neues Selbstbewusstsein und als Motor für Kleinunternehmer.“ Das Konzept soll nun auf andere Gebiete in Kapstadt ausgeweitet werden. „Im Endeffekt“, so Jethro, „versuchen wir die Worte für unsere Freiheitslieder zu finden, wir versuchen, uns von der Unterdrückung der Geschichte zu befreien. Worte sind ein Anfang. Der Rest wird folgen.“ Poesie in Kapstadt: Jethro’s Dichterabend: Dienstags und Donnerstags oder auf Anfrage. Buchungen bei Andulela Experience (siehe Seite XX). „Verses“ an jedem letzten Mittwoch im Monat in der „Zula Sound Bar“, 194 Long Street, ab 21.00 Uhr, Tel: 021 424 2442 „Off-the-Wall“jeden Montag ab 20.00 Uhr im „Touch of Madness“, 12 Nuttal Road Observatory, Tel: 021 448 2266
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