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potted history

by Jos Baker in the Slow Food Newsletter, February 2005

Das Bo-Kaap im Zentrum Kapstadts ist das Herz der "Cape Malay", der alt eingesessenen muslimischen Gemeinde in Kapstadt. Diese Kultur hat Ihren Ursprung in den ehemals von der Niederlande kolonisierten Teilen Südostasiens und gelang durch Sklavenhandel an die südliche Spitze Afrikas, als erste Malaien-Familien durch frühe holländische Siedler ans Kap verschleppt wurden (eine Praxis, die bis in das Jahr 1807 beibehalten wurde). Aus den niederländischen Kolonien wurden Sklaven, Soldaten und Handwerker mitgebracht, darunter die überwiegend muslimischen Malaien (deren Kultur wurde durch die indische und seit dem 14. Jahundert durch die islamische Kultur geprägt). Die Männer waren als tüchtige Schneider, Zimmermänner und Böttcher bekannt, die Frauen genossen einen guten Ruf als Köchinnen.

Als im Jahre 1834 die Sklaverei abgeschafft wurde, ließen sich viele der Zwangsimmigranten am Fuße des "Signal Hills" oberhalb Kapstadts Zentrum nieder, wo Wohngebiete für die ärmeren Gemeinden entstanden. Mit der Zeit hat sich die muslimische Bevölkerung in diesem aus Terassenhäusern bestehenden Stadtteil, der sich auf etwa zwei Kilometer Länge und etwa einem halben Kilometer Breite ausdehnt, durchgesetzt. Der Islam und seine Tradition spielen noch heute eine große Rolle im Malaienviertel, und neben den religiösen Aspekten war es vor allem die Esskultur, die das Viertel zusammenschweißte. In einem Malaienhaushalt ist das gastfreundliche Teilen der Mahlzeit mit einem Besucher gleichbedeutend mit einem Segen für das gesamte Haus.

Die bescheidenen Bauten stehen ganz im Zeichen der Architektur damaliger Zeit, eine Mischung aus burischen und georgischen Einflüssen: Aus engen Gassen blickt man auf ihre einfachen Fassaden, hinter denen sich kleine Zimmer verstecken und ein Durchgangsweg zu einem Innenhof führt.

Trotz des vorzüglichen Panoramablicks auf die Tafelbucht wurde das Boo-Kap lange von vielen ignoriert; sowohl die niederländischen wie auch später die britischen Kolonialmächte bevorzugten die grüneren Berghänge und -täler. Erst als man die zentrale Lage zu schätzen erkannte und das Malaienviertel in ein Blickfeld geschäftsorientierten Handels rückte, begannen erste Schritte, in die Erhaltung des Viertels zu investieren. Später wurde die Fläche, die mehr vor 1840 entstandene Bauten beherbergt als jeder andere Ort in Südafrika, zum Nationaldenkmal erklärt. Das belebte und farbenprächtige Viertel – viele Häuser sind in purpur, orange, grün oder türkis bemalt – ist heute mit seinem unverwechselbaren Charme ein erfrischendes Ausrufezeichen in einer sonst immer gesichtsloser werdenden Stadt.

Würzige Geschichtseinlage
Als Jan van Riebeeck im Namen der niederländischen Ostindien-Kompanie einen Stützpunkt am Kap errichtete, der zur Versorgung von Schiffen mit Lebensmitteln diente – und aus der Kapstadt entstehen sollte -, da sorgte er für die Zutaten. In der Küche selbst waren es jedoch nicht die Niederländer oder andere Europäer, die bestimmten, sondern – zum Glück für die Südafrikanische Küche! - es herrschten die Diener über ihre Herren: die malaiischen Sklaven waren verantwortlich für gut gewürzte Gerichte, "kühle Sambals" und scharfe Atchars und belebten dadurch die einheimische Küche des Westlichen Kaps.

Die Gewürze für diese neu entstehende Tradition der Kap-malaiischen Küche gelangten ursprünglich an Bord niederländischer Ostindien-Kompanie-Schiffe an das Kap. Hausfrauen der damaligen Zeit trafen Verabredungen mit den Kapitänen dieser Schiffe, sich von deren Reisen ins indonesische Batavia (heutiges Jakarta) verschiedene Gewürze mitbringen zu lassen, die man für die heimische Küche zu brauchen glaubte. In einem Haushaltsbuch aus dem frühen 18. Jahrhundert finden sich Belege für so exotische Einkäufe wie Vogelnester, getrocknete Garnelen und pulverisierten Seeigel.

Rezepte veränderten sich, entweder aus Mangel an Originalzutaten, wegen neuer kulinarischer Entdeckungen oder einfach, weil die typisch niederländischen (europäischen) Vorlieben mit denen der malaiischen (indonesischen) Küche kombiniert wurden. Zum Beispiel wurde üblich, Kartoffeln (niederländische Vorliebe) gemeinsam mit Reis (Grundnahrungsmittel in der malaiischen Küche) zu servieren. Sogar heute ist dieser Speisekompromiss noch auf einigen Tellern zu finden. Die niederländische Vorliebe für Torten lebt fort in Hoenderpastei, pikant gewürzt mit Piment und Nelke. Und die (dem Käsekuchen ahnliche; Anm. D. Uebersetzers) Melktert wird noch immer gern mit asiatischem Zimt übersät.

In seinem in den 1940ern geschriebenen Buch "Cape Cookery" gibt der südafrikanische Poet und Gourmet C. Louis Leipoldt folgende lyrische Beschreibung für die Zubereitung von Curry:

"Man nehme einen kupfernen Mörser, abgerieben mit Buchweizenmehl, und platziere darin eine in Würfel geschnittene rote Paprika, eine gewürfelte grüne Paprika, 2 Esslöffel voll Koriandersamen, geschnippelten grünen Ingwer, eine kleine Zimtstange (...) ein junges Orangenblatt, geriebene Zitronenschale, eine Knoblauchzehe, 2 große Löffel geschmolzene Butter und einen Löffel Gelbwurz. Nehmen Sie nun den Stampfer und zerkleinern und zerreiben alles im Mörser."

Warum das Gemisch mit Mörser und Stampfer zubereiten? Sein Familienkoch erklärt geduldig: "Verehrter Herr, um die Seele herauszudrücken, die wir für das Fleisch benötigen..."

Die Kap-malaiische Küche speist sich aus der "Seele" ihrer Gewürze.

Text: Jos Baker
Uebersetzung: Florian Wolf


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